Donnerstag, 19. Januar 2012

Und immer weiter Richtung Westen

Man sollte den Abend nie vor dem Morgen loben. In Albany angekommen bemerken wir, dass einer der hinteren Pneus etwas wenig Luft zu haben scheint. Deshalb fahren wir am nächsten Morgen als erstes zu einer Tankstelle um den Reifendruck zu messen. Doch da gibt es nicht mehr viel zu messen, es handelt sich eindeutig um einen „Platten“, also auf zum nächsten Reifenservice, der glücklicherweise nicht weit ist. Haben per Zufall einen offiziellen Vertragspartner von Keacampers erwischt, welcher auch Zeit hat. Das nennt man wohl dann Glück im Unglück, da so alles unkompliziert und innerhalb einer Stunde erledigt werden konnte. Haben während dem Warten die Gelegenheit, die Road Trains zu fotografieren, welche hier Tonnen von Getreide im Frachthafen abliefern. Gemäss Fernsehbericht verzeichnet Westaustralien diese Saison die beste Getreideernte aller Zeiten.

In Albany sind wir nun abseits der Strände unterwegs, diese haben wir ja bereits bei unserem ersten Besuch hier erkundet. Sehen uns vor allem den Ort selber an, wie beispielsweise das neue Convention Center, welches sehr an das Sydney Opera House erinnert. Im Hafen hat eine Replica der Endeavour angelegt, welche man auch besichtigen könnte. Bei der Endeavour handelt es sich um das Schiff, mit welchem James Cook die Weltmeere befahren hat. Aktuell ist die Replica auf einer Tour rund um Australien. Wir haben auf die ziemlich teure Besichtigung verzichtet, da uns die Warteschlange zu lang und die Menschenansammlung zu gross war (wir sind uns nicht mehr an so viele Menschen gewöhnt ;-) ).


Wie bereits im Zusammenhang mit Denmark beschrieben, ist hier die Auswahl an Sehenwürdigkeiten und Attraktionen riesig, so dass man wahrhaftig die Qual der Wahl hat und wir werden feststellen, dass in der Region um Margaret River die Auswahl sogar noch grösser ist, aber dazu etwas später. Dem Navi zum Trotz wählen wir deshalb unsere Reiseroute nach Margaret River durch die sich aneinanderreihenden Nationalparks, welche vor allem durch (Karri-)Wälder geprägt sind. Eine wunderschöne Gegend und die Fahrt durch die Schattenspiele der hohen Bäume bezeichnen wir kurzerhand als „lauschig“. Zwischen Denmark und Walpole befindet sich das „Valley of the Giants“ mit riesigen Bäumen, welche bis zu 20m im Umfang werden können, was natürlich auch ein entsprechendes Alter voraussetzt. Einer der ältesten Bäume im Valley wird auf 400 Jahre geschätzt. Diese Bäume überstehen Krankheiten, Feuer, Insekten etc., welche lediglich Narben oder Aushöhlungen zurück lassen. Die Bäume kann man einerseits von unten bewundern, jedoch auch von oben und zwar über den „Tree Top Walk“. Ähnlich einer Hängebrücke führt ein Weg durch die Gipfel der Bäume, unterbrochen von Plattformen. Der höchste Punkt befindet sich in 40m Höhe. Definitiv kein Abenteuer für Menschen, die nicht schwindelfrei sind, da man einerseits durch die Gitter am Boden durchsehen kann und das ganze schwingt. Es braucht ein paar Minuten bis man sich daran gewöhnt hat, doch dann geniesst man diesen unglaublichen Ausblick über die Baumwipfel. Petrus meint es gut mit uns und scheint es sich noch einmal überlegt zu haben, was die vorhergesagten Gewitter für diesen Tag anbelangt.




Die restliche Fahrt verläuft ereignislos, es sind sehr wenige Autos unterwegs und auch bewohnte Gegenden sieht man selten. Zum Teil fährt man an Ortsschildern vorbei und sucht vergeblich nach einem Haus oder sieht nur ein einziges. Wer die Einsamkeit sucht, ist hier definitiv am richtigen Ort. Wo letztes Jahr grosse Buschfeuer gewütet haben, bestehen die Wälder zum Teil nur noch aus schwarzen Gerippen. Am Strassenrand sind Förster damit beschäftigt, die Bäume zu fällen, welche auf die Strasse zu stürzen drohen. Doch inmitten dieser Trostlosigkeit entdeckt man bereits wieder grüne Blätter oder Gräser, die Natur lässt sich nicht unterkriegen.

Wir machen etwas ausserhalb von Margaret River Halt, in einem Caravan Park mit „Farm“. Am Abend können die Gäste dann mithelfen, die diversen Tiere zu füttern. Die Kinder kennen keine Angst und stopfen den Kühen das Heu büschelweise ins Maul. Wie bereits erwähnt ist hier die Auswahl an Attraktionen unglaublich gross. Einerseits handelt es sich um ein Weingebiet und allein die Wineries würden wohl einen Monat zum Weindegustieren abdecken, daneben gibt es auch Bierbrauereien (was eigentlich in grösserer Anzahl vorhanden sein sollte…), Käse-, Schoggi- und Glacéhersteller, Handwerkbetriebe und und und. Wem dies zu langweilig ist, kann es sich an einem der vielen Strände gemütlich machen oder surfen. Zusätzlich findet man entlang der gesamten Küste Tropfsteinhöhlen, von denen viele besichtigt werden können. Wir beschränken uns auf eine und wählen die Mammoth Cave. Dies ist die Höhle, die als erstes entdeckt worden ist und ohne Führung selber erkundet werden kann. Selbstverständlich ist der Weg klar vorgegeben und man erhält einen MP3-Player mit den Erklärungen, so dass man trotzdem nichts verpasst und sich so lange drin aufhalten kann, wie man möchte. Wir sind zum Teil sprachlos, welche Kunstwerke die Natur hervorzubringen weiss und fühlen uns wieder einmal ganz, ganz klein.



Samstag, 14. Januar 2012

Der Südwesten Australiens

Voller Vorfreude auf Westaustralien fahren wir noch einmal über 400 Kilometer nach Esperance, wo wir einen längeren Aufenthalt eingeplant haben. Wir müssen jedoch feststellen, dass überall alles ausgebucht ist und wir nur eine einzige Nacht dort bleiben können. Wildes Campen ist ausdrücklich verboten, weshalb wir damit beginnen, herumzutelefonieren um irgendwo einen freien Platz für die nächsten Tage zu bekommen. Da wir die Überfahrt in weniger Zeit als eigentlich vorgehabt gemacht haben, sind es noch einige Tage, welche uns zur Verfügung stehen. Nach einigem hin und her finden wir dann doch noch eine Bleibe, auch wenn die Reiseroute so etwas „unlogisch“ wird. Aber dies lässt sich nicht ändern, irgendwo müssen wir unterkommen.

In Esperance gehen wir am Abend ins Kino Sherlock Holmes anschauen und staunen nicht schlecht! Wie bereits erwähnt sind alle Unterkünfte für Touristen ausgebucht und der Ort selber hat rund 14‘500 Einwohner. Somit haben wir eine Stadt in Ferienstimmung erwartet, doch weit gefehlt. Auf dem Weg zum Kino durchs Stadtzentrum begegnen wir hin und wieder einem Auto, aber ansonsten ist die Stadt ausgestorben. Wir sind die einzigen Fussgänger weit und breit…
Esperance
Am nächsten Tag verlassen wir schweren Herzens Esperance und fahren Richtung Albany. Unterwegs machen wir in Jerramungup halt, da wir für diese Nacht keinen Platz in einem grösseren Ort gefunden haben. Jerramungup ist ein winziges Dörfchen, jedoch mit einem unerwartet beeindruckenden Ortskern. Die Strassen und Gehsteige sind alle brandneu und luxuriöser als in manch einer Grossstadt. Da konnte sich wohl jemand verwirklichen, anders können wir uns dies nicht erklären. Hier in Westaustralien begegnen wir immer wieder „neuen“ Vogelarten wie beispielsweise dem schwarzen Kakadu.
Jerramungup
In Albany finden wir ein Plätzchen am Emu Beach. Auch hier herrscht Hochbetrieb, aber nur auf den Campingplätzen oder anderen Ferienanlagen, ansonsten begegnet man unterwegs sehr wenigen Menschen und auch die Strände sind nahezu leer, was jedoch teilweise auch am kalten Wetter liegt. Wir erkunden den Ort, füllen wieder einmal ausgiebig unseren Kühlschrank und wandern der Küste entlang. Wir werden noch einmal die Gelegenheit haben, Albany näher anzuschauen, da wir noch einmal hierher zurückkommen werden.
Albany - Middleton Beach
Albany - Emu Beach in der Abenddämmerung
Unsere nächste Station ist Denmark. Eine wunderschöne und vor allem grüne Gegend. Im Frühling blühen hier prachtvolle Wildblumen, was wir leider nur noch auf Bildern bewundern können. Wäre definitiv auch eine Reise wert ;-) Aber auch ohne Wildblumen hat der Südwesten sehr viel zu bieten. Die Strände und Küsten um Denmark sind von unglaublicher Schönheit und auch ansonsten wird einem hier sehr viel geboten, seien dies Tierfarmen (z.B. Alpaca), Weingebiete, Bierbrauereien, Toffeehersteller und vieles mehr. Neben dem Ocean Beach, dem Green Pool und den Elephant Rocks besuchen wir eine Schoggi-Lounge mit dem klingenden Namen: Swiss Annie’s. Die erwartete Schoggi-Fabrik hat sich dann als Verkaufsladen mit Café und Bar herausgestellt. Sehr gepflegt, wunderbar gelegen und erst vor kurzem (2009) eröffnet, also sicherlich ein Besuch wert, wenn man die Erwartungen entsprechend ändert. Auf die sündhaft teuren Pralinen haben wir dann verzichtet, sondern bei einem Kaffee die herumliegenden Schweizer Souvenirs bestaunt. He ja, langsam aber sicher müssen wir uns wieder mit der Schweiz auseinandersetzen… *seufz* Beim Green Pool begegnen wir unserer ersten Schlange und zwar erst noch einer, der man definitiv nicht zu nahe kommen sollte. Australien ist bekannt dafür, dass hier viele der giftigsten Tiere leben, weshalb wir die Unbekümmertheit der Australier bestaunen, welche sehr häufig barfuss unterwegs sind oder in gefährlichen Gewässern baden.
Denmark - Elephant Rocks
Denmark - Wilson Inlet
Denmark - Ocean Beach 
Denmark - Green Pool
Bis jetzt hat uns unser Motorhome gute Dienste erwiesen und nicht im Stich gelassen *knock on wood*. Kleinere Sachen konnten wir immer selber beheben resp. improvisieren. In Denmark jedoch hat es uns bei dem ständig sehr starken Wind die Abdeckhaube von der Klimaanlage vom Dach geweht. Glücklicherweise nicht während der Fahrt, sondern auf dem Caravan Park. Somit durften wir uns noch nach einer Reparaturwerkstatt umsehen und den Schaden reparieren lassen. Hat alles wunderbar geklappt und wir drücken natürlich die Daumen, dass dies das erste und letzte Problem mit unserem Auto ist.

Montag, 9. Januar 2012

Nullarbor - Gefühlte 100 Tankstopps von Südaustralien bis Westaustralien

Am 2. Januar verlassen wir Adelaide. Eine Stadt, in welcher Hektik und Verkehrschaos Fremdwörter zu sein scheinen. Wie bereits früher erwähnt, stöhnt Südaustralien unter einer Hitzewelle. Auch wir verbringen den Rest des Tages mit Schwitzen und Trinken und Schwitzen und Trinken. Gegen Abend kommt dann endlich etwas Südwind auf, so dass wir in Port Augusta doch noch eine kurze Runde drehen können.
Port Augusta
Die lange Überfahrt Richtung Westen steht nun kurz bevor. Unsere nächste Station heisst Ceduna, wo auch der Eyre Highway startet. Hier sehen wir neben vielen Ferienreisenden mit Zelt und Wohnwagen auch die ersten Road Trains – riesige Sattelschlepper. Wir sind froh, dass die grösste Hitze endlich vorbei ist, denn uns steht eine lange Fahrt bevor und auf schmelzenden Asphalt können wir definitiv verzichten.
Ceduna
Der Eyre Highway führt über die sogenannte Nullarbor Plain. Eine riesige Kalksteinplatte, welche vor Millionen von Jahren Meeresboden war und insgesamt 200‘000 km2 gross und bis zu 300 m dick ist. Wie der Name erahnen lässt, sucht man hier vergebens nach Bäumen. Die Distanzen und Weiten sind einmal mehr unglaublich. Seien es nun die Getreidefelder (auch Toastbrot wird aus Getreide hergestellt... >;-) ), welche unseren Weg zu Beginn noch säumen oder die kahlen oder nur mit Sträuchern bewachsenen Ebenen, die wir auf unserer Fahrt durchqueren. Es wird vor Känguruhs, Kamelen, Emus und diversen anderen Tieren gewarnt. Wie gerne wir auch Tiere beobachten sind wir trotzdem froh, dass wir unterwegs keinem begegnen, denn mit einer Geschwindigkeit von 110 km/h heisst es Augen zu und durch, wenn einem ein Känguruh vor die Kühlerhaube geraten sollte… Wir sind über den guten Zustand der Strasse sehr erstaunt, einer der besten, wenn nicht der beste Highway, den wir bis jetzt befahren haben. Die Strecken sind über viele Kilometer einfach schnurgerade. Die längste Strecke ohne kleinste Kurve misst gar 146 km und ist somit die längste der Welt! Wir ziehen immer wieder Grössenvergleiche mit der Schweiz und kommen uns winzig klein vor.


Die Strassenkarte braucht man lediglich für die Einplanung des nächsten Tankstopps, denn verfahren kann man sich definitiv nicht: Der Eyre Highway ist auf der Länge von rund 1‘200 km die einzige asphaltierte Strasse weit und breit. 1‘000 Kilometern, 200 Liter Diesel, 380 Dollar, einen Quarantäne-Checkpoint (Früchte, Gemüse und Honig landeten im Abfall) und 2 ½ Zeitzonen später machen wir in Balladonia halt. Vor allem auch, da ein Gewitter aufzieht, welches sich dann auch kurz nach der Ankunft entlädt. Auch dieser „Ort“ besteht lediglich aus einem Roadhouse mit Tankstelle, einigen Motelzimmern und einem „Caravan Park“. Die Ruhe im Outback ist eine Wohltat, die wenigen Autos und Road Trains, die noch unterwegs sind, unterbrechen diese nur kurz und der Duft der Eukalyptusbäume ist überwältigend. Wir werden diesen vermissen!



Silvester in Adelaide

Der „Umzug“ von Adelaide Shores in den Levi Park dauert nur rund 20 Minuten. Schweren Herzens verlassen wir den West Beach und Glenelg. Um nicht zu früh im anderen Caravan Park anzukommen, machen wir noch einmal einen Abstecher nach Glenelg, wo uns herrlicher Sonnenschein, jedoch ein eisiger Wind empfängt. Die Geschäfte sind hier teilweise auch am 26.12. offen, im Gegensatz zu den meisten Geschäften in und um Adelaide. Der grosse Weihnachts-Schlussverkauf mit Bildern, wie wir sie uns aus Deutschland gewohnt sind, beginnt hier deshalb einen Tag später. Wir verzichten auf dieses „Vergnügen“ und „wagen“ uns erst zwei Tage später wieder in die Innenstadt ;-)

Adelaide Arcade
Der Levi Park Caravan Park liegt direkt am Torrens River, welcher quer durch Adelaide fliesst und auf beiden Seiten auf insgesamt 33,5 Kilometern von Spazier- und Velowegen gesäumt wird. Eine richtige grüne Erholungsoase, welche von den verschiedensten Bäumen gesäumt wird und Zuflucht für die verschiedensten Tiere bietet. Auch hier ist man vom unvergleichlichen Eukalyptusduft umgeben. Stephan hat das Glück während einem seiner frühen Morgenmärsche einem Koala zu begegnen, welchem er sich bis auf einen halben Meter nähern kann. Dafür hätte sich auf für mich das Aufstehen gelohnt… ;-) Je näher man sich der Innenstadt näher desto „künstlicher“ wird die Umgebung. Vom Levi Park aus sind es 6,5 km in die Stadt, weshalb wir jeweils zu Fuss unterwegs sind, obwohl der öffentliche Verkehr hier sehr gut und auch preiswert ist… und klimatisiert…
Entlang des Torrens Rivers
Torrens River
Da man mit dem öffentlichen Verkehr problemlos überall hinkommt, nehmen wir den Zug um einen Ausflug nach Port Adelaide zu machen. Port Adelaide wird als historische und sehr sehenswerte Hafenstadt beschrieben. Vom Bahnhof aus gelangt man als erstes durch diverse kleinere Einkaufszentren bis man dann den historischen Ortskern und den Hafen erreicht, welche zu unserem Erstaunen beinahe ausgestorben sind. Einzig das Ausflugsboot, welches Delfinbesichtigungen anbietet, scheint noch einige Touristen anzulocken. Die historischen Gebäude und den Leuchtturm kann man weiterhin besichtigen, aber ansonsten sieht man sehr viele leer stehende Geschäfte und Restaurants und allgemeiner Verfall. Das Rad der Zeit nagt an dieser Touristenattraktion. Der Ausflug hat sich jedoch alleine aufgrund der schmucken Häuser, welche die Bahnstrecke säumen, gelohnt. Diese sind allesamt eine Augenweide mit ihren Lime- und Bluestone-Fassaden und diversen Verzierungen aus vergangenen Zeiten.
Port Adelaide - Historisches Gebäude
Port Adelaide - Leuchtturm
Es wird nun jeden Tag wärmer, deshalb verbringen wir Silvester und Neujahr ruhig „zuhause“ und geniessen die über 30 Grad am Tag und in der Nacht ohne zu jammern ;-) Im Gegensatz zu Sydney ist in Adelaide kein riesiges Feuerwerk geplant, weshalb es bereits kurz nach Mitternacht so ruhig ist, wie wenn kein besonderer Tag wäre. Zum Jahresbeginn dürfen wir dann auch noch an einem geschichtsträchtigen Ereignis teilnehmen: dem heissesten Tag seit 100 Jahren. Am 1. sind es 41 Grad und am 2. sogar 46 Grad… HAPPY NEW YEAR!